Die Geschichte

Die Geschichte

Was haben der 1. FC Knast 09, ein Schloss am Starnberger See und eine Theater-AG an einer Magdeburger Schule gemeinsam? Vielleicht erst einmal nicht viel, vielleicht aber auch sehr sehr viel. Die Idee von der Villa Wertvoll entstand nicht am Schreibtisch, ist nicht durch das Lesen von Statistiken und schlauen Büchern gewachsen, sondern vielmehr aus vielen Begegnungen, Erlebnissen und Gesprächen mit Kindern, Jugendlichen und Eltern in Magdeburg.

Seit 2008 arbeitet der Sunrise e.V. in den unterschiedlichsten Projekten in Magdeburg. Ob Theater mit geflüchteten Kindern oder Fußball mit Jugendlichen aus der Neustadt – immer war eins klar: Es geht um Menschen. Es geht darum, Kinder und Jugendliche zu sehen und ihnen Wertschätzung und Liebe entgegenzubringen, gemeinsam mit ihnen ihr Potential zu entdecken, entfalten und entwickeln. Das war und ist der Konsens. Was oftmals fehlte, war der richtige Rahmen dafür, ein schöner Ort, eine Oase – fernab von Schule und Alltag und trotzdem ganz nah.

Im Sommer 2016 waren Bettina und Simon Becker schließlich als Mitarbeitende auf einer Jugendfreizeit am Starnberger See: Die Unterkunft für die Jugendlichen dort war ein gelbes Schloss am See, mit Fußballplatz, Sportmöglichkeiten und viel Natur. Bei der Anreise stieg ein ziemlich cooler 16-Jähriger mit tiefhängenden, zerrissenen Jeans aus, schaute auf den See und sagte: „Endlich wieder hier.“ Bettina Becker hatte gerade vorher einen Theaterworkshop mit Magdeburger Jugendlichen aus sehr herausfordernden Verhältnissen durchgeführt und was schon oft Thema gewesen war, wurde nun ganz deutlich: Wie kann es solch einen Ort, solch eine Oase wie dieses Schloss auch in Magdeburg geben?

Und so fingen Bettina und Simon Becker an über die vage Idee zu reden – mit Magdeburger Freunden, die die Stadt kannten, Menschen kannten, Erfahrungen in den unterschiedlichsten Bereichen hatten.

Petra als Hebamme, Ellen als Psychiaterin, Christian als Geschäftsführer der Festung Mark, Simon und Karen als Psychologen, Alex als Cultural Engineer. Dazu kamen ihre eigenen Erfahrungen als Theaterpädagogin, Theologin, Musiker und Gründer des 1. FC Knast 09. Als Arbeitstitel wählten Sie den Begriff „Gelbes Haus“… denn ein Schloss, so waren sie sicher, würden sie im Stadtteil Neue Neustadt nicht finden und gelb war nun mal die Sunrise-Farbe.

Ein Besichtigungstermin wurde vereinbart und als sie gemeinsam durch das Haus gingen, staunten sie nicht schlecht: „Das ist ja, als hätte jemand mitgeschrieben.“ Die Diakonie zeigte sich offen und so konnte am 23. Februar 2018 der „Erste Pinselstrich“ durchgeführt werden.

Bei der Namensfindung („Gelbes Haus“ wurde nun doch als etwas langweilig empfunden), half Mailin Ede, ehemalige Mitarbeiterin beim Kindertheater, nun in Köln: Villa Wertvoll! Denn das ist etwas, was allen Teilnehmenden, Mitarbeitenden und Gästen gezeigt werden sollte: Du bist brillant. Du musst nicht perfekt sein, so wie du bist, bist du wertvoll. Deswegen dieses wertvolle, schöne Haus für dich.

Frühling und Sommer 2018 waren nun geprägt von weiteren Pinselstrichen, vielen Fahrten zum Baumarkt, Spendenakquise, Fördermittelanträgen und Vorbereitungen für die Einweihung die am 22. September stattfinden sollte.

Als kleiner Höhepunkt zwischendurch konnte im Juni schon ein Theaterworkshop mit Schülern und Schülerinnen einer 8. Klasse der Leibnizschule stattfinden. Ein kleiner Ausblick auf das, was hoffentlich bald kommt.

Geprägt ist die Geschichte von Anfang an von vielen kleinen positiven Überraschungen. Von Begegnungen mit Menschen, die ermutigen, von einem geschenkten roten Sofa, einem gewonnenen Rasenmäher, Menschen die tatkräftig mit anpacken, ermutigen oder großzügig Geld geben. Es ist ein Wunder, sagt Bettina Becker oft. Es ist eine Welle, die uns mitnimmt, die wir surfen dürfen, sagt Simon. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt. Eine Oase für Kinder und Jugendliche, die wir gemeinsam gestalten dürfen und bei dem wir viel Unterstützung brauchen. Und in diesem Vertrauen packen wir die Villa an und wollen glauben, dass das was so gut angefangen hat, auch so weitergeht. Dass Menschen sich mitnehmen lassen, mitmachen, anpacken und wir gemeinsam einen Ort schaffen, an dem Kinder und Jugendliche die Liebe zum Leben, zu sich und zu anderen entdecken können.